Geodätisches Kolloquium am KIT Sommersemester 2021

          

 

 

 

Donnerstag, 29. April 2021

 

Dr.-Ing. Christoph Herrmann

Hexagon

 

Koordinatenmesstechnik im Maschinenbau – Anwendung, Kalibrierung und Unsicherheit

Die Koordinatenmesstechnik hat sich zu einem integralen Bestandteil im Feld des Maschinenbaus etabliert. Sie wird unter anderem eingesetzt, um Fertigungsmaschinen und -anlagen einzustellen und zu warten, Produktionsprozesse zu steuern und zu überwachen und im klassischen Sinne einer Qualitätskontrolle, das fertige Produkt zu überprüfen. Das Spektrum der eingesetzten Messmittel reicht vom einfachen Messchieber bis hin zu voll in die Produktion integrierten automatisierten (Koordinaten-)Messgeräten (KMG). Dabei spielen auch die Themen Rückführung und Kalibrierung eine zentrale Rolle. Sowohl durch die Nachfrage nach immer genaueren Mess- und Prüfmitteln als auch durch einen verstärkten Fokus verschiedener Normen (ISO 9001, VDA 6.4, IATF 16949, ISO 17025), müssen sich Hersteller und Anwender mit einem verlässlichen Messmittelmanagement auseinandersetzen und die Rückführbarkeit nachweisen. In engem Zusammenhang damit steht die Aufgabe der Kalibrierung. Speziell im Bereich der Koordinatenmesstechnik ist mit der Normenreihe ISO 10360 Blatt 1 bis 12 ein umfangreiches Werk an Methoden zur Kalibrierung verschiedener Sensoren verfügbar. Die Normen beschreiben im Detail Kalibrierverfahren, die sich in den letzten Jahren in der Industrie zu praxisrelevanten Standards etabliert haben und z. B. von Automobilbauern und -zulieferern bei Neuinstallation und nach Wartung von Koordinatenmessgeräten zwingend gefordert werden. Vor dem Hintergrund dieser Normenreihe müssen Hersteller und Anwender auch das Thema Messunsicherheit bearbeiten und umsetzen, da die Messunsicherheit eng mit der Abgabe von Konformitätserklärungen verbunden ist. Damit gewinnt die Messunsicherheit an Relevanz und erfährt weitere Verbreitung und Akzeptant.

In diesem Vortrag werden ausgewählte Beispiele für die Anwendung im Maschinenbau gezeigt. Dabei werden Herausforderungen der Kalibrierung ebenso beleuchtet wie die praxisnahe Herangehensweise an Normforderungen und das Thema Messunsicherheit.